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Norditalien spürt die gerade extrem deutlich.

Bei "nur" 1.1 Grad globaler Temperaturerhöhung droht der Wassernotstand. Land am unteren Lauf des Po droht zu versalzen, der Pegelstand des Gardasees sinkt rapide. Die Wasser-Notreserven sind quasi aufgebraucht.

Und was machen die Menschen? Anstatt endlich für eine Abkehr der klimaschädlichen Politik zu demonstrieren: Prozessionen und Gebete.

Bei allem Respekt für gläubige Menschen: This will not help.

tagesspiegel.de/gesellschaft/p

@carbonwoman

Man könnte vlt. ein paar Hexen verbrennen. Nur zur Sicherheit. Man weiß ja nie, wie die Götter grade drauf sind. :///

@textbook
Ich ordne das lieber unter „magical thinking“ ein bzw. „Ideologien“. Einer der 7 Drachen der Untätigkeit. Ähnlich schlimm wie der Glaube, eine neue Technik werde uns retten.

@carbonwoman @textbook
Betende: "Oh Gott, warum hast du uns nicht gewarnt und gerettet?"
Gott: "Ich habe euch doch dafür die Wissenschaft gegeben, warum habt ihr nicht zugehört?"

@StephanMatthiesen @textbook

Es gibt bestimmt auch Gläubige, die das ganz genauso sehen.

Und wenn Prozessionen und Gebete Reserven zum Handeln aktivierten, wäre das eine gute Sache.

Mein Eindruck von außen als Nicht-Gläubige ist jedoch, dass das leider eher selten der Fall ist.

Mir zeigt diese Reaktion, dass die Menschen - zu recht - verzweifelt sind. Leider wenden sie sich in dieser Verzweiflung an die falsche Stelle. Mich schmerzt das und ich hoffe, dass ich mich irre.

@carbonwoman @textbook

Die Folgen des Klimawandels (wie vieler anderer gesellschaftlicher Entscheidungen) treffen oft diejenigen am härtesten, die nur zu kleinem Teil dafür verantwortlich sind, und die oft alleine auch wenig tun können, um sich zu shützen.

Dann bleiben den Einzelnen eben nur Coping-Strategien, und das kann auch Religion sein. Hilft auf psychologischer Ebene, aber löst das Problem kaum.

@StephanMatthiesen @textbook

Wobei ich behaupten würde, dass in demokratischen Staaten politische Demonstrationen über reines Coping schon hinausgehen würden.

Und der Einfluss des individuellen Handelns liegt - je nach Einschätzung - immerhin zwischen 25% und 30% der Emissionen.

Natürlich kann das individuelle Verhalten von politischer Seite strukturell unterstützt oder erschwert werden. Und zugegeben ist es zur Zeit eher letzteres. Aber ganz rausstehlen kann man sich da nicht.

@carbonwoman @textbook

Klar ist der Einfluss des individuellen Handelns in der Gesamtheit groß, aber was ich meinte, ist, dass der einzelne Bauer der Poebene individuell wohl nur sehr wenig beigetragen hat, aber trotzdem vor dem Aus steht.

Dagegen trage z.b. ich im Wesentlichen ebensoviel zum Klimawandel bei, aber leide persönlich praktisch überhaupt nicht unter den Folgen.

@StephanMatthiesen @textbook

Das eine (coping) schließt das andere (der eigenen Regierung Beine machen) ja nicht aus.

Der verzweifelte Bauer in der Po-Ebene tut gut daran, sich zusätzlich mit anderen zusammen zu schließen und die Regierung unter Druck zu setzen.

Weitreichende Proteste würden sicher auch auf EU - Ebene wahrgenommen, die den Agrarsektor ja traditionell besonders im Blick hat.

Auch bzgl. finanzieller Unterstützung. Betroffene könnten evt. sogar vor Gericht klagen.

@StephanMatthiesen @textbook

Leider sehe ich zu oft, dass das coping eben nicht ins Handeln führt. That was my point here.

@carbonwoman @textbook

Die Bauern der Po-Ebene kenn ic nicht weiter, aber wenn ich an die in Schleswig-Holstein denke, dann kannste lange warten, bis die mehr Klimaschutz fordern.

Es gibt natürlich einzelne (Habeck ist ja auch einer..), aber die Bauernverbände und -funktionäre sind noch lange nicht soweit, zumal halt auch fast nur noch Großbetriebe übrig sind.

@StephanMatthiesen @textbook

Und das ist ein großes Problem. Gerade die Landwirtschaft ist doch von der Klima- und Biodiversitätskrise ganz besonders betroffen.

Mich stört auch diese Art der Berichterstattung etwas. Das wirkt auf mich so, als wäre die vom Menschen nicht mehr abzuwenden.

Das führt halt eben grade nicht zum notwendigen politischen Druck, den es aufzubauen gilt.

Wir brauchen Menschen auf der Straße wie beim globalen Klimastreik 2019.

@carbonwoman

Es ist leider m.E. vor allem eine kulturelle Sache, an der wir arbeiten müssen (ich basiere das auf eigene Erfahrung mit Familie im ländlichen S-H, woanders mag es anders sein).

Die Umwelt-/Klimabewegung/Grünen gelten sehr als städtische gesättigte Mittelklassesache, die mit dem "Leben der Menschen" nichts zu tun hat oder irgendwie von außen kommt. Dort ist alles konservativ geprägt und alle gesellschaftlichen Aktivitäten ("Landjugend", "Landfrauen" usw.) kommen von der CDU

@carbonwoman
Ich habe gewisse Hoffnung, dass Habeck einfach durch seine Existenz etwas bewirkt, weil er eben aus dieser Gemeinschaft kommt, auch wenn seine Partei noch argwöhnisch beäugt wird.

Habe mal gehört: "Was Habeck sagt, finde ich eigentlich schon gut, aber das darf ich hier im Dorf nicht sagen." Vielleicht denken noch mehr so, und dann sagt irgendwer das auch mal.

@carbonwoman In S-H gibt es ja nun eine CDU-Grüne-Koalition und bei der letzten kamen die Grünen wohl auch im ländlichen Bereich nicht soo schlecht rüber (obwohl nur CDU gewählt wird), aber einfach dadurch, dass die Grünen jetzt auch tatsächlich in Regierungen präsent sind, ändert sich die Wahrnehmung dieser Themen, denke ich.

Die FDP ist in S-H ja jetzt raus, da sehe ich auch gar keine große Klientel.

@StephanMatthiesen

Es ist halt so, dass die Angesprochenen das Gefühl haben müssen, dass ihre Werte geteilt werden.

Da muss man sich drauf Einstellen in der Kommunikation und am authentischsten ist es natürlich, wenn man selbst Teil der Gruppe ist und bekannt ist, dass man en gros die Werte teilt.

Wenn Du da familiäre Kontakte hast, dann kann das helfen. Denn leider fehlen die Landwirt*innen bei 4 future bisher.

Hier nützliche Hinweise zur
klimakommunikation.klimafakten

@carbonwoman
Naja, außer in meiner Verwandtschaft bin ich aber auch nicht dort in der Gemeinschaft drin, sondern eben auch nur der Verwandte aus der Stadt, der gelegentlich zu Familientreffen kommt.

Und wegen Corona war ich jetzt lange nicht dort.

@StephanMatthiesen

War nur so ein Gedanke von mir 😉 Aber im Ernst: Reden hilft.

Gerade wenn man die Gelegenheit bekommt, dass es nicht gleich als erhobener Zeigefinger wahrgenommen wird.

Man muss nicht einmal zwingend über Klima reden. Z.B. wird (oder ist schon?) die doppelte Nutzung von Flächen ermöglicht.

D.h. wo Schafe grasen, können Solarpanels stehen (Agrar-Photovoltaik), ohne dass die Förderung flöten geht. Kann für Landwirte attraktiv sein. Energiepreise sind sicher 1 Thema.

@carbonwoman
Naja, Solar und sogar Wind ist gar nicht das Problem.

Es gibt viele Solaranlagen auf Scheunendächern und auch einige Felder und es gibt auch Windgenossenschaften, die sehr beliebt sind, weil sie in die bäuerlichen Strukturen passen. Da wurde sogar viel geschimpft, weil vor einigen Jahren unter Merkel Windgenossenschaften praktisch unmöglich wurden.

Widerstand gibt es eher gegen die allgemeinen politischen Änderungen, vor allem Ernährung und Verkehr.

@carbonwoman

Bei Windkraftanlagen habe ich zwar anfänglich (vor 20 Jahren) auch gehört, dass der Anblick stört, aber seit Jahren ist das da kein Thema mehr. Aber das ist sicher örtlich extrem unterschiedlich.

Die Knackpunkte sind halt, dass es sich rechnen muss, und man mag nicht, wenn fremde Investoren die Dinger hinstellen und örtlich keiner was davon hat. Wenn aber Bauern selbst oder örtliche Genossenschaften investieren, hörte ich eher immer Stolz heraus.

@StephanMatthiesen

Da werden die Weichen ja in die richtige Richtung gestellt. Ich glaub, Habeck kann da ganz gut den Ton treffen.

@StephanMatthiesen

Sorry, falls ich nerve. Sag gern Bescheid, wenn gut ist.

Bei Verkehr nehme ich an geht es weniger um landwirtschaftlichen Verkehr sondern mehr um die Anbindung an die Stadt? Oder auf dem Land selbst?

Bei Ernährung geht es um Tierhaltung?

Oder was sind da die wesentlichen Punkte?

@carbonwoman
Ist schon gut, ich muss nur gleich weg..

Ernährung: Ja, Tierhaltung und auch Anbaumethoden, da möchte man sich nicht reinreden lassen (wobei z.B. bei Dünger heute eh schon viel automatisiert ist, sodass die Bauern das eh nicht eigenständig festlegen, sondern die Händler über die Software der Maschinen).

@carbonwoman

Verkehr: Die Leute können sich einfach gar nicht vorstellen, dass es ohne Auto geht oder in Zukunft gehen könnte.

S-H ist ziemlich gemischt mit vielen kleineren Städten und dann der Großraum Hamburg, also es geht einerseits darum, überhaupt zum nächsten Supermarkt zu kommen, der 10km entfernt sein kann, aber viele pendeln auch weit dem Auto zur Arbeit, weil die Jobs so verteilt sind.

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